Ach? Triumvirat für historisch inspirierte Humorvermittlung

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episode 2: 1 – Schweine vor Gericht  

[transcript]


Gleichberechtigung für Tiere? Hatten wir doch alles schon mal ...


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 March 17, 2017  50m
 
 
00:00
Ihr Geschichtswissen haben sie aus Videospielen,
00:04
ihre Umgangsformen von Reddit und ihren Humor.
00:08
Ach, reden wir nicht weiter drüber.
00:11
Sie heißen Philipp, Dominik und Jürgen.
00:14
Und sie erzählen euch Dinge über die Vergangenheit,
00:17
die ihr so garantiert noch nie gehört habt.
00:22
Willkommen bei Ach!
00:25
Dem Triumphirat für historisch inspirierte Humorvermittlung.
00:29
Hallo und herzlich willkommen zur ersten offiziellen Folge von Ach!
00:40
Dem geschichtshähnlichen Podcast.
00:43
Wir sitzen hier wieder in illustrer Runde zusammen.
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Das sind zu meiner Linken der Jürgen und zu meiner Rechten der Dominik.
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Und hier sitzt der Philipp und ein wunderbares Thema wird uns heute gredenzt vom?
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Ja, das ist auch der Jürgen.
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Ich weiß auch nicht, ob wir jetzt tatsächlich erklären müssen, was wir hier tun,
01:01
oder ob das einfach losgeht und das alle selber rausfinden oder...
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Ich finde es auch geil, dass du offiziell gesagt hast, als ob es irgendwo in inoffiziellen geht.
01:09
Hervorragend. Aber erklär doch mal Jürgen, was machen wir denn so tolles hier?
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Ich erzähle euch eine Geschichte. Eine Geschichte aus der Geschichte.
01:17
So, große Begeisterung in der Runde.
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Ich bin dabei!
01:21
Betroffenes Schweigen.
01:23
Ich glaube wir fangen einfach an. Ich glaube, wir sollten gar nicht so viel um den heißen Brei rumwarten.
01:27
Besser ist das.
01:28
Das ist nämlich total ungesund.
01:30
Ich habe nämlich gleich zum Aufwärmen für euch ein kleines Spiel.
01:34
Ich möchte, dass ihr mir folgenden Satz vervollständigt.
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Einem Guinness-Buch-Eintrag zufolge wurde im Jahr 1266 in Frankreich das erste...
01:43
Bier erfunden.
01:45
Nein.
01:46
Mädchen verbrannt.
01:48
Nein.
01:49
Nein, das ist nicht das erste.
01:50
Aber es ist schon näher dran.
01:51
Puh!
01:52
Pferd geschlachtet.
01:54
Geht in die richtige Richtung.
01:57
Mädchen geschlachtet.
01:58
Jetzt wird es super.
02:00
Jetzt fahrt euch mal nicht jetzt schon so fest.
02:04
Ich gebe euch noch einen Hinweis. Das erste Schwein.
02:06
Geschlachtet?
02:07
Nein, das wäre zu einfach.
02:09
Zum König erklärt.
02:10
Das ist sehr interessant. Das war sicherlich aber schon vorher.
02:14
Nein, was könnte man denn mit einem Schwein gemacht haben?
02:16
Man könnte einen Schwein in einen Pferd stecken, um dann so eine Spezialität zu machen.
02:23
Das ist wie der Turdacken.
02:25
Genau, aber mit dem Pferd. Schwein.
02:30
Der klassische Tierversuch. Ich glaube tatsächlich, dass du irgendwas mit einer Operation oder so was...
02:36
Das erste Blick an den OP an einem Schwein.
02:38
1266.
02:40
Naja, das war halt wahrscheinlich ein bisschen grobschlechtig damals.
02:44
Also passt auf, ich gebe euch noch einen Hinweis.
02:46
Ging es gut aus für das Schwein?
02:47
Nein.
02:48
Das ist selten in der Geschichte. Das ist selten was gut für einen Schwein ausgegangen.
02:51
Moment, wurde das erst mal Wurst gemacht?
02:53
Nein.
02:55
Das erste Schwein von einem Gericht...
02:58
Zum Tode verurteilt.
03:01
Genau.
03:02
What?
03:03
Im Jahr 1266 wurde in Frankreich das erste Schwein von einem Gericht zu Tode verurteilt und gerichtet.
03:10
Die Schwein!
03:11
Herr Angeklagter, sie sind ein Schwein.
03:13
Tatsächlich von einem ordentlichen Gericht.
03:18
So, das fand ich eine sehr interessante Anekdote und ich habe da mal ein bisschen recherchiert.
03:22
Kurze Frage, was ist ein unordentliches Gericht?
03:24
Das gibt ja auch so Kirchengerichte, weißt du?
03:27
Herr Richter! Ruhe Berichter!
03:29
Moment, sie haben nicht mal die Haare gekämpft. Sie sind ein unordentliches Gericht.
03:33
Ich erkenne sie nicht an.
03:34
Deswegen auch das mit den Perücken.
03:36
Ja, damit man ordentliches Gericht ist.
03:38
Ich bereue die Frage jetzt schon, aber hatte das mit sexuellen Handlungen zu tun im Vorfeld?
03:43
In dem speziellen Fall nicht.
03:45
Ausnahmsweise nicht!
03:48
Und das ist tatsächlich etwas, wo ich euch ja schon ein bisschen gewarnt habe.
03:51
Es könnte sein, dass im Laufe dieses Abends ein paar Tränen fließen.
03:54
Es wird eine sehr traurige Geschichte.
03:56
Was, ein sympathisches Schwein?
03:58
Das dürft ihr gleich selber beurteilen.
04:00
Im französischen Dorf Fontenay-au-Rosay oder so ähnlich,
04:05
in der Nähe von Paris lebten im Jahr 1266, wie fast überall in Europa,
04:10
Tier- und Menschen auf einem sehr engen Raum zusammen. Die Nutztiere laufen meist völlig frei
04:16
durch die Straßen, Häuser und Kinderzimmer der Bevölkerung.
04:19
Kinderzimmer? Ich schaue mal nach dem kleinen...
04:24
Da kann es schon mal vorkommen, wie im aktuellen Fall,
04:28
dass ein Schwein ein Kleinkinder als Nahrung misinterpretiert und herzhaft zugeißt.
04:33
Oh mein Gott! Das zeigt das Thema mit dem Bisschen daneben.
04:38
Ich bin auf sein Diesel.
04:41
Ich finde es aber interessant, dass ihr in der Dings irgendwie entsetzt reagiert
04:44
oder so, dass ihr einfach da sitzt und lacht.
04:46
Also ich meine, er hat ja keine Kinder, aber Dominik, für dich hätte ich mehr erwartet.
04:51
Hallo, ich bin milde, entgeistert.
04:55
Altersmilde. So, jetzt ist es aber so, dass im Mittelalter niemand einfach so hingerichtet werden darf.
04:59
Ja, ja, ist ja richtig. Pickle die, Washington. Was ist eigentlich Hunger?
05:03
Das zeige ich dir, komm mal mit. Zapp, zapp, zapp, zapp.
05:08
Kurz darauf im Kinderzimmer. Und Pickle die und Frederick gingen nach Hause.
05:12
Ich möchte echt wissen, was in seinem Kopf gerade über Filme läuft.
05:17
Es ist nichts nötig. Sollte man Pickle die und Frederick kennen?
05:20
Ja, natürlich. Das sind die zwei Schweine, die beim Sandmännchen kommen und die die Welt erklären.
05:26
Okay, Jürgen, bitte fortfahren.
05:28
Okay, also das war das erste Schwein, das von einem Gericht ordentlich zu Tode fordert wurde
05:32
und später natürlich auch hingerichtet. Jetzt ist es aber so, dass es solche Gerichtsverfahren schon viel früher gegeben hat.
05:38
Nur halt ohne Todesurteil. Zum Beispiel ist aus dem neunten Jahrhundert ein Prozess überliefert,
05:44
bei dem Maulwürfe von einem italienischen Kirchengericht angeklagt werden.
05:49
Man wirft ihnen vor, vom Teufel besessen zu sein.
05:53
Natürlich, der sendet die nach oben. Völlig logisch.
05:56
Wo kommt die auch her? Ist ja klar.
05:58
Folge richtig lautet nach dem Schuldspruch die Strafe Excommunikation.
06:03
Ganz schön brutal. Also wenn du wirklich da im Gerichtssaal stehst und der Richter das Urteil fällt,
06:10
so, es könnte dich schlimmer kaum treffen.
06:12
War die Maulwürfe anwesend?
06:14
Das ist in dem Fall nicht überliefert, aber ich denke...
06:17
Sie wurden danach unter die Erde gebracht.
06:19
Ich denke, wir hören uns mal dann auch noch die anderen Fälle an.
06:22
Über die Jahrhundert gibt es sehr viele von diesen Prozessen, vor allem in Frankreich, Deutschland,
06:27
aber eigentlich in ganz Europa.
06:29
Sie werden teils vor weltlichen, teils vor kirchlichen Gerichten verhandelt
06:32
und meistens wird im Verfahren kein großer Unterschied gemacht,
06:35
ob der Angeklagte nun ein Schwein, ein Rind, ein Mensch oder eine Leiche ist.
06:39
Auch das hat es gegeben.
06:43
Auch Kombinationen aus beiden möglich?
06:45
Unter Umständen.
06:47
Aber ich habe jetzt hier wirklich nur die Highlights dabei,
06:50
und ich packe aber für jeden, den es interessiert,
06:52
mal noch ein paar Links in den zugehörigen Blog-Artikel.
06:54
Ich bitte darum.
06:56
Im Jahr 1379 steht in Frankreich nicht nur ein Schwein, sondern gleich eine ganze Herde vor Gericht.
07:01
Der Vorwurf? Unterlassene Hilfeleistung.
07:04
Jetzt frage ich mich vor allen Dingen,
07:10
also welche Hilfe Sie als Schweinehütten dann hier geben sollen.
07:14
Hier ist das CPR.
07:16
Das ist sehr schön, dass du fragst.
07:18
Die Herde hatte tatenlos zugesehen, wie eines aus ihrer Mitte,
07:20
dem Sohn des Schweinehütten, ein unglückliches Ende bescherte.
07:23
Ich sehe eine gewisse Tendenz zum Hinterfass.
07:27
Für den Hirten ist das natürlich besonders doof,
07:30
weil der hat jetzt nicht nur keinen Sohn mehr,
07:32
sondern ihm wird auch noch die Schweineherde hingerichtet.
07:35
Also er hat auch seine wirtschaftliche Existenz quasi in einem Verfahren verloren.
07:39
Und so wurde das Cordon Bleu erfunden.
07:41
Der Herzog von Burgund aber begnadigte in einem lichten Moment die komplette Herde.
07:46
Nur das eine Schwein wurde hingerichtet.
07:48
Das ist doch nett von dem, oder?
07:50
Das Anführerschwein.
07:52
Das Täterschwein.
07:54
Man kennt das heute noch.
07:56
Ein anderer Fall trägt sich Anno 1386 in Falais zu.
08:01
Falais.
08:02
Wieder Frankreich, wieder geht es um einen Schwein.
08:05
Also ich erkenne auch irgendwie ein Muster, so über die Zeit hinweg.
08:08
Franzosen-Schweine.
08:10
Oh.
08:11
Das war jetzt unangebracht und gemein.
08:14
Aber du hast natürlich auch ein Stück weiter recht.
08:16
So, jetzt habe ich mich hier verirrt.
08:18
Die Geschehnisse lassen sich mit etwas Fantasie halbwegs rekonstruieren.
08:23
Jedoch geht eigentlich alles auf die einzig existierende Aufzeichnung zu diesem Fall zurück.
08:27
Ich lese euch das mal vor.
08:29
Für seine Bemühungen und als Lohn dafür, dass er eine etwa drei Jahre alte Sau zum Gericht in Falais geschleppt und gehängt hat,
08:36
die das Gesicht des Kindes von Jonnet le Masson gefressen hatte, das in seiner Krippe lag und das etwa drei Monate alt war,
08:43
in einer Art und Weise, dass das Kind an seinen Verletzungen verstarb und dann noch zehn weitere Sol für einen neuen Handschuh,
08:49
wenn der Hänker die Exekution durchgeführt hat, wird diese Quittung und so weiter und so weiter und so weiter.
08:54
Wie erhängt man einen Schwein?
08:56
Es hat dem Kindes Gesicht abgefressen und das ist die Frage, die du hast.
09:01
Es war hungrig.
09:03
Aber, also ich müsste jetzt mal einen Schwein mir anschauen, aber tendenziell Schweinehilde neigen sich,
09:08
sie sind jetzt nicht gerade bestens zum Hängen geeignet, würde ich sagen.
09:11
Die ganze Statur von dem Viech irgendwie nicht, oder?
09:14
Ich glaube tatsächlich, ohne das jetzt genau zu wissen, aber ich glaube tatsächlich, dass sie die mitunter andersrum aufgehängt haben
09:19
und einfach dann hängen haben lassen. Also einfach an den Beinen. So, an den Hinterbeinen.
09:24
Bis dann das Blut im Kopf zu viel wird.
09:26
Bis dann halt gar nicht tot durch ersticken, sondern tot durch Hänge.
09:30
Bei einem Hängen erstickst du ja auch nicht, sondern du brichst dir ja das Genick in der Regel.
09:34
Ich glaube, es kommt doch aufs Erhängen an. Da gibt es doch dieses, wir machen die Klappe auf und du fällst richtig weit runter,
09:38
das ist das Genickbruch. Und das andere ist dieses ersticken, erhängen.
09:42
Dieses ersticken, ja.
09:44
Na ja, wie soll man es, ne?
09:46
Ich glaube tatsächlich, dass es üblich ist, dass du dir das Genick brichst, auch im Wilden Westen und so,
09:50
wenn die sind ja dann vom Pferd runter und zack.
09:52
Bei Tendenziell ist es wahrscheinlich, ich meine, wir sind ja alle total die Christen,
09:56
der Kreuzigen ist das ähnliche Problematik.
09:59
Du hängst halt da und irgendwann...
10:01
Du hängst da eine Weile.
10:02
Du kreislauf machst du immer mit.
10:03
Looks on the bright side of life.
10:05
Nicht alles.
10:06
Einen Schwein zu kreuzigen wäre noch kompliziert.
10:09
Das stimmt.
10:10
An den Ohren vielleicht.
10:11
Ich glaube, wenn du einen Schwein gekreuzigt hättest, wäre das wiederum ein paar weitere Todesstrafen.
10:15
Aber warum?
10:16
Das ist für mich, ich habe einen Schwein gekreuzigt.
10:18
Ich habe mir überlegt, du hast Maulwürfe aus der Kirche ausgestoßen.
10:22
Also ob diese Maulwürfe körperlich anwesend waren bei dem Todesort, das muss ich noch herausfinden, aber gut.
10:30
Ich schick dir die entsprechenden Links später zu.
10:32
Oh, ich glaube, ich habe das sogar schon gesehen, das lief irgendwie früher bei der Maus.
10:36
Also dieser Fall ist bekannt geworden als das Tribunal von Verles und das ist einer der berühmtesten Tierprozesse der Geschichte.
10:43
Also das ist hier so Partywissen, merkt es euch.
10:45
Moment, waren die Richter auch Tiere?
10:48
Nein.
10:50
Waren die gesponnen Tiere?
10:52
Ich habe mir jetzt hier noch den Mega-Gag aufgeschrieben.
10:55
Ich stelle mir vor, wie der Gerichtsprozess lief.
10:58
Wenn ich das jetzt aber abliss, dann ist das bestimmt total witzig.
11:01
Angeklagt, dass sie streiten also nicht ab, das Gesicht des Jungen gefressen zu haben.
11:05
Schuldig.
11:07
Siehst du, der war überhaupt nicht.
11:09
Funktioniert nicht. Ich würde dir aufschreiben, funktioniert einfach nicht.
11:11
Ich werde es das nächste Mal lassen.
11:13
Kaufe dir mein Witzebuch.
11:15
Gibt es eins von Fips Asmussen.
11:17
Die Sau wird am 9. Januar 1386 in ein Hemd und einen Mantel gesteckt und erst auf dieselbe Weise verstümmelt wie ihr Opfer und dann schlussendlich erhängt.
11:25
Warum?
11:27
Um zu zeigen, dass Menschen und Tiere vor dem Gesetz gleich sind.
11:31
Das heißt, dem Schwein wurde vor einem anderen Schwein das Gesicht gefressen?
11:35
Oder wieder vom Mensch?
11:37
Ich glaube eher vom Mensch, aber wahrscheinlich auch von einem, der älter war als drei Monate.
11:40
Hast du diese Story nur ausgesucht, weil ich damals beim Schlachtschüssel essen konnte, das geht nicht vom Schwein gegessen habe.
11:45
Es kommt alles da auf.
11:47
Hallo Wolfgang.
11:49
Schlachtschüssel-Podcast, herzlich willkommen.
11:53
Ich muss eingestehen, dass die Sache mit dem Outfit vielleicht auch über die Jahrhunderte dazu gedichtet wurde.
11:57
Schön finde ich es noch, wenn der dann seinen Mantel geteilt hätte, Viro.
12:00
Das bammherzige Samariterschwein.
12:04
Also tatsächlich ist es so, dass man Tiere und Menschen mehr oder weniger gleich behandelt hat.
12:09
Das heißt Schwartin.
12:11
Schwartin.
12:13
So eine öffentliche Hinrichtung soll natürlich in erster Linie abschrecken.
12:15
Aus diesem Grund sind an jenem Januartag in Frankreich auch unfreiwerbe Weise viele Schweine unter den Zuschauern.
12:22
So viel dazu.
12:25
Im Jahr 1451 stehen in der Schweiz zur Abwechslung mal keine Schweine, sondern Blutegel vor Gericht.
12:32
Die Anklageschrift konnte ich nirgends finden, jedoch ist anzunehmen, dass man einfach Blutegel damals ziemlich uncool fand.
12:38
Das war allgemein.
12:40
Die Viecher erhalten einen Klagebescheid, werden vorgeladen und von einem geistlichen Gericht offiziell des Genfer Sees verwiesen.
12:47
Als sich die Egel trotz mehrfacher Androhung von Exkommunikation weigern, der gerichtlichen Anordnung Folge zu leisten, werden sie kurzerhand erschlagen.
12:54
Das ist dann eher der kurze Prozess.
12:57
Ja das ist, ist das so geil bürokratisch?
12:59
Super, ne.
13:00
Ich glaube auch, sie hatten einen Anwalt, die Egel.
13:02
Also es ist auch tatsächlich ziemlich üblich, dass man den Tieren dann einen Anwalt zur Seite stellt.
13:06
Das sind sie von Beruf Egelanwalt.
13:09
Oh Gott, ich möchte nicht zu viel verraten, aber vielleicht komme ich darauf nochmal zurück später.
13:14
Eventuell hast du dich jemanden spezialisiert.
13:16
Herr Richter, meine Mantanzen sind unschuldig.
13:19
Einer der best dokumentierten Tierprozesse des Mittelalters findet 1457 in Lavagny in der Schweiz statt.
13:26
Eine Sau wird mitsamt ihren sechs Ferkelnd vor den Richter geführt.
13:29
Sie soll den armen, fünf Jahre alten Jean Martin, Zitat, vorsätzlich und verbrecherisch ermordet haben.
13:36
Nach kurzer Zeit in einseelhaftem Gefängnis wird die Sau an ihren Hinterbeinen am Galgen aufgeknüpft.
13:41
Da sie sie, da, so rum funktioniert es.
13:44
So, jetzt wird die Sau aufgehängt. Was ist aber mit den sechs Ferkeln?
13:47
Wir hatten es ja vorhin schon unterlassen, eine Hilfeleistung.
13:50
Knast, der Ferkelknast, Femex bei RTL.
13:54
Es war jetzt mit den Ferkeln nicht so ganz einfach, weil die Ferkel waren schließlich auch am Tatort.
14:00
Aber minderjährig.
14:02
Ich wollte gerade sagen, gibt es da nicht irgendwie mit einer Umstellung?
14:05
Sie waren von oben bis unten besudelt mit dem Blut des Opfers.
14:08
Der Besitzer Jean Bailly, sprich das mal irgendwie französisch aus, ich tue mich da ein bisschen schwer.
14:15
Sollte Kauktion für sie bezahlen, bis in einem zweiten Prozess über die Schuldigkeit der Ferkel entschieden werden kann.
14:21
Ich finde es großartig.
14:22
Überleg mal, der würde so, ja, hier, keine Ahnung, wo war es?
14:26
Schweiz?
14:27
Hier 20 Franken als Kauktion.
14:29
Und dann irgendwie zwei Jahre später, es kommt jetzt zum Prozess, wo sind die?
14:33
Das ist am besten, was sie noch da haben.
14:39
So, jetzt weigert er sich aber.
14:41
Er könne unmöglich so viel Geld aufbringen und auch könne er wohl kaum versprechen, dass die Belgier sich in der Zwischenzeit gut benehmen.
14:47
Schließlich sind die ja Mordverdächtige.
14:51
Drei Wochen später kommt es zum Prozess, doch aus Mangel an Beweisen.
14:55
Und tatsächlich, aufgrund des jungen Alters der Ferkel lässt das Gericht mildewalt und sie werden freigesprochen.
15:01
Ist es nicht schön, dass man noch den Glauben in die Justiz behalten kann?
15:09
So, ich glaube, wir hatten genug Schweine vor Gericht, was jetzt aber nicht heißen soll, dass es solche Fälle nicht noch mehr gab.
15:15
Aber es gab einen interessanten Film von 1993, der heißt, die deutsche Übersetzung ist ein bisschen unglücklich.
15:22
Ein angeklagter namens Babe.
15:26
Pessthauch des Bösen.
15:29
Ging wie ein echt mieser D-Zombie-Film.
15:33
Genau, im Original heißt er The Hour of the Pig und darin wird im mittelalterlichen Frankreich ein Anwalt gespielt von, Achtung haltet euch fest,
15:40
Gérard de Verdieu.
15:41
Colin Firth hier, Kingspeech, sozusagen als Pflichtverteidiger für einen Schwein eingesetzt.
15:48
6,8 auf IMDB.
15:50
Das ist vor allem gar nicht mal so schäbig, 6,8.
15:52
Das ist knapp besser als der Born von 2016.
15:56
Den sollte man sich echt mal anschauen.
15:59
Der hat mir meinen Job weggenommen.
16:01
Eigentlich wollte ich nicht nur Eges, sondern auch Schweine verteidigen und jetzt kommt der da her und nimmt mir meinen Job weg.
16:07
Ich glaube, wir wissen, was wir tun, wenn wir hier mit dieser Episode durch sind.
16:11
Ich frage mich, was Colin Firth verbrochen hat, dass er in diesem Film entspielen muss.
16:15
Nix, aber das Schwein.
16:17
Da, da, da.
16:19
Im Jahr 1474 wird in der Schweiz ein Hahn vor Gericht gestellt.
16:23
Für das Zitat, abscheuliche und unnatürliche Verbrechen ein Ei gelegt zu haben.
16:29
Das ist auch nicht ganz richtig.
16:31
Jetzt blicke ich hier in den Kopf und habe mir nette Gesichter.
16:34
Vorhin lachen sie sich kaputt.
16:36
Ich glaube, es hat man einfach mal nicht genau irgendwas nachgeguckt, oder?
16:39
Es wurde ihm untergeschoben.
16:41
Das wird so meine zwei Verdachtsmomente.
16:43
Vielleicht ein Transgenderkahn?
16:45
Das eigentlich Schlimme an der Sache war aber, dass das Ei keinen Dotter hatte.
16:49
Da, da, da.
16:53
Der Volksglaube besagt, dass in einem solchen Fall der Hahn im Pakt mit dem Teufel stehe
16:57
und aus dem Ei irgendwann so ein Drachenschlangen-Ding mit Hühnerkopf schlüpfen werde.
17:01
Wow.
17:02
Was für ein Cooles.
17:03
Das ist schon...
17:04
Überleg mal, ich würde sagen, scheiß drauf, wir brüten das Ding aus, halten es als Attraktion
17:09
und lassen die Leute absurde Mengen an Geld zahlen in unserem coolen Drachenhuhn-Museum.
17:14
Und dann ist die gemeine Gerechtigkeit, wir haben elends viel Kohle.
17:17
Wir haben mal eine Gemeinde und alle anderen, oh verdammt und wir haben es alle kaputt gemacht,
17:20
Mann, sind wir dumm.
17:22
Nicht einmal der Anwalt des Hahns traut sich diesen Vorwurf abzustreiten.
17:25
Er argumentiert aber, dass der Hahn in keinerlei Verbindung zum Herrscher der Unterwelt stehe
17:29
und dass der Beschuldigte das Ei ganz spontan und unfreiwillig gelegt habe.
17:33
Die beiden kennen sich überhaupt nicht.
17:36
Das war ein Unfall.
17:38
Ein Unfall war das.
17:40
Den Richter überzeugt das nicht.
17:42
Nach einem langen Prozess fällt ein Urteil.
17:44
Der Mann ist in der Tat vom Teufel besessen und muss mitsamt dem Ei verbrannt werden.
17:48
Und so entstand das Rasthähnchen.
17:52
Und tatsächlich gab es irgendwie 200 Jahre später noch Studien zu diesem Thema und zu Eiern und Eier ohne Dotter.
17:58
Und da wird dieser Fall tatsächlich wieder aufgerollt.
18:01
Gibt es einen Mitschnitt oder ein Protokoll von dieser Gerichtsendung?
18:05
Gerichtsendung?
18:06
Gerichtsendung?
18:07
Barbara Salleschneid, Gerichtsverfahren?
18:09
Auch das wieder im Blog.
18:10
Meinst du jetzt speziell das oder ganz allgemein von diesem Thema?
18:13
Ich würde mich das interessieren, wenn du sagst, das war eine lange Verhandlung, weil ich frage mich,
18:16
also es gibt ja was für Beweise, bringst du den da vor?
18:19
Das Ei?
18:20
Hast du gerade gehört?
18:21
Der hat ja noch nicht mal auf Unschuldigkeit plädiert.
18:24
Was kannst du denn da für einen langen Prozess geben?
18:27
Ich glaube tatsächlich, dass es da vielleicht sogar noch Unterlagen geben könnte.
18:30
Üblicherweise war es so, dass die Schuld aus der Welt getilgt werden musste.
18:34
Und deswegen dann irgendwann auch die erhänkten und alle mitsamt den Unterlagen verbrannt wurden.
18:38
Aha.
18:40
Was?
18:41
Ja, es wurde immer alles verbrannt am Ende.
18:43
Cool.
18:44
So, zur Abwechslung mal was halbwegs freundliches.
18:48
Wobei das eigentlich ein cooler Projektabschluss ist.
18:50
Überleg mal, du liefst zum Projektab und am Schluss, wir verbrennen alles.
18:53
Alles weg, weg!
18:55
Verbrennt die Server!
18:57
Im südtyrolerischen Glurns werden anno1519-Feldmäuse für ihr zerstörerisches Werk auf den Äckern der Gemeinde angeklagt.
19:06
Wir haben viel mehr Schaden angerichtet als so die armen Igel.
19:10
Ihr Verteidiger Hans Grinebner kann zwar den Schuldspruch und die daraus resultierende Verbannung nicht verhindern,
19:17
jedoch immerhin mildernde Umstände heraushandeln.
19:20
Alle Verurteilten bekommen freies Geleit aus dem Gebiet
19:23
und außerdem dürfen Mäuse mit Kindern und schwangere Mäuse sich auf der beschwerlichen Reise in Sexil 14 Tage mehr Zeit lassen.
19:30
Und wie genau? Also, ich habe so viele Fragen.
19:36
Meine größte wäre, wo werde ich Tieranwalt?
19:41
Ich kämpfe für ihr tierisches Recht.
19:44
Auch da kann ich dir später noch einen Tipp geben.
19:46
Wenn ich die kleinen Dinger einfach nehmen und umsiedeln würde, würde ich sagen, okay, ist in Ordnung,
19:49
aber wie können die denn freiwillig irgendwo hinführen?
19:52
Du musst doch das Ganze auf rechtlich fundierte Fundamente stellen.
19:56
Du kannst auch nicht sagen, zack, jetzt sind wir mal hier in der Maus und schmeißen sie über einen Zaun oder so.
20:01
Du hast ja kein Recht dazu. Du musst ja schon hier ordentlich einen Rechtsstaat haben.
20:05
Richtig so überlegen die eine Käsespur ins Nachbarland oder vielleicht bauen sie eine Mauer um die Mäuse rum.
20:11
Außer die Stelle, wo sie hinlaufen sollen.
20:13
Dominik, ich möchte deinen Wettbeet nicht ins Wanken bringen, aber das mit dem Käse und den Mäusen, das ist eine Legende.
20:19
Ist es so?
20:20
Ja. Speck ist es, was Mäuse tatsächlich mögen.
20:25
Tom und Jerry haben uns belogen.
20:29
Gott. Auch 1546 wird in einer französischen Bischofsstadt nach einem Prozess ausnahmsweise immer niemand hingerichtet.
20:39
Der Urteilsspruch Gott hat die Erde mit Früchten und Pflanzen bedeckt, sodass sie alle seine Geschöpfe ernähre.
20:46
Und der Angeklagte ist einfach viel zu köstlich, also ich will nicht hinrichten.
20:50
Schuldig, ich bin hungrig. Schuldig.
20:54
Damit wurde eine Klage einiger Weinbauern gegen gefräßige grüne Käfer abgewiesen, die sich über die Weinberge hergemacht hatten.
21:01
Also es war tatsächlich offensichtlich früher auch üblich, einfach wenn irgendwas nicht funktioniert hat, irgendjemanden zu verklagen.
21:07
Tut mir leid, aber Käfer kann ich nicht vertreten. Ich vertrete nur Egel.
21:12
Säugetiere. Allgemein Säugetiere.
21:15
So, wieder Schluss mit harmlos.
21:17
Im Jahr 1662 hat sich ein interessanter Fall in New Haven zugetragen.
21:23
Stellt euch vor, ihr erwischt euren Ehemann quasi in flagranti mit der Familienhündin.
21:28
Hallo, ich sehe jetzt Rattert bei euch.
21:33
So ist es einem gewissen William Potter passiert.
21:36
Er kann jedoch seine Frau überzeugen, diesen Zwischenfall nicht öffentlich zu machen.
21:40
Und um seinem Versprechen auf Besserung Nachdruck zu verleihen, erhängt er sogleich auch seine haarige Bettgefährte.
21:45
Und hat auch beides offensichtlich super funktioniert, dass nie davon irgendetwas dann Tageslicht gab oder überliefert wird.
21:52
Du bist da einer Sache auf der Spur.
21:55
Der Tim ist eingehend Winner!
21:58
Nein, aber es gab natürlich überhaupt noch kein Verfahren. Das wäre jetzt die eigentliche Spur gewesen.
22:04
Also, du hast vollkommen recht. Seine Frau steht ihm widerwillig bei.
22:07
Immerhin ist Potter ein überzeugter Kirchengänger und auch sonst in der Gemeinde gut integriert.
22:11
Aber zehn Jahre später kommen seine sexuellen Vorlieben auf nicht näher beschriebene Weise doch ans Tageslicht.
22:18
Im Prozess wird dann das ganze Ausmaß seines Treibens deutlich.
22:22
Vielleicht auch, weil Potter viel mehr Verbrechen gesteht, als ihm eigentlich zur Last gelegt werden.
22:26
Ich bin so froh, dass ich endlich mal drüber sprechen kann.
22:29
Das ist jetzt ja auch nicht der cleverste Schachzug vor Gericht.
22:32
Ich hatte so Angst, dass er vor lauter Geilheit am nächsten Tag sich den Hundekadaber vorgenommen hat.
22:38
Boah! Dominik, bitte!
22:41
Insofern bin ich leicht. Ich bin sehr beruhigt, dass es dann doch zehn Jahre später...
22:45
So, wie ihr jetzt vielleicht auch gemerkt habt, steht hier kein Tier, sondern ein Mensch vor Gericht.
22:49
Jetzt war es aber so, im Mittelalter, wenn jemand wegen Sodomie angeklagt wurde, weiß es gar nicht nur den Beschuldigten,
22:55
sondern auch seine Opfer hinzurichten. Ich habe euch gerade schon erklärt, warum.
22:58
Die Sühne muss von der Welt getilgt werden.
23:01
Dann ist seine Frau jetzt mit am Start oder was?
23:04
Seine Frau.
23:05
Er hat ja auch wahrscheinlich Intercourse mit ihr gehabt.
23:07
Ja, aber das ist nicht verboten. Auch im Mittelalter nicht.
23:10
Ich verstehe.
23:11
Außerdem ist Gefüglichkeit genauso verwerflich wie die Tat selbst.
23:16
Die Hündin?
23:18
Ja.
23:19
Potter muss aber bereits im Alter von zehn Jahren mit seinem animalischen Sexleben begonnen haben.
23:25
Oh je.
23:26
Und am Tag seiner Verurteilung war er 60 Jahre alt.
23:29
So ist es nicht weiter verwunderlich, dass am 6. Juni 1662 vor seinen Augen eine Kuh, zwei Kälber, drei Schafe und zwei Ziegen zum Galgen geführt werden.
23:40
Potter heult wie ein Schlosshund, während er zusieht, wie seine Bettgefährdinnen eine nach der anderen aufgeknüpft und verbrannt werden.
23:48
Oh Gott.
23:49
Irgendwann ist schließlich er an der Reihe.
23:51
Da sehe ich vor allen Dingen noch einen, dass es ein langer Prozess war.
23:54
Da war es hauptsächlich eine lange Hüftrichtung.
23:57
Was auch schön wäre, aber das war damals wahrscheinlich noch nicht der Fall, wenn er noch viel umgezogen wäre, andere Länder bereist hätte und dann die lokale Polizei.
24:06
Hallo, hier ist Interpol. Ich habe einen Haftbefehl für diese Ziege.
24:10
So, von der regulären Strafverfolgung ausgenommen waren, eigentlich ganz logisch, Wehrwölfe.
24:20
Ja, der Begriff Logik wird hier lose verwendet.
24:26
Ein Beispiel ist der Wolf von Ansbach.
24:30
Kurz nach dem Tod des verstorbenen, offensichtlich nicht ganz sauberen Pflegers Michael Leicht treibt im Jahr 1685 ein Wolf in der Gegend um Ansbach sein Unwesen.
24:40
Innerhalb von drei Monaten fallen ihm zwei oder drei Kinder zum Opfer.
24:44
Haben wir schon Schweine gesehen, die das auch irgendwie schneller hingekriegt haben.
24:48
Ja, vor allem beim Wolf, da denkt man, klar, ist der böse und der böse Wolf und ba ba ba ba.
24:53
Aber wer frisst denn hier die ganzen Kinder, die Schweine sind?
24:56
Wer frisst die ganzen Kinder? Der Wehrwolf.
24:59
Es tut mir sehr leid. Kann ich das zurücknehmen?
25:02
Nein.
25:03
Der Fall liegt für die fantasierreichen Mittelfranken auf der Hand.
25:06
Leicht geht als Wehrwolf umher.
25:08
Er soll als Strafe für seine Untaten in einen Wolf verwandelt worden sein.
25:12
Auch soll er in Wolfsgestalt bei seiner eigenen Beerdigung zugesehen haben.
25:15
Und er soll in ein weißes Tuch gekleidet nachts in Ansbach herumschleichen.
25:19
Und vom Teufel besessen soll er auch sein.
25:22
Der Wolf tappt letztendlich auf Jagd nach einem Huhn in eine Falle.
25:26
Doch dann geht der Spaß erst richtig los.
25:28
Ihr wisst doch, er wird nicht vor Gericht gezeigt, weil es ja schließlich ein Wehrwolf ist.
25:33
Aber ihm wird einfach das Fell abgezogen, die Schnauze abgeschnitten,
25:36
ein Umhang angezogen und ein Pappgesicht aufgesetzt.
25:39
So wird er quasi als Wolf in Menschengestalt öffentlich aufgeknüpft.
25:44
Finde ich bis jetzt das Vernünftigste, was am heutigen Abend gesagt worden ist.
25:50
Es ist leicht schockierend, dass es das Nachvollziehbare ist.
25:53
Also gut, vielleicht kann ich euch doch noch einen Ausdruck des Entsetzens abbringen.
26:00
Aber vielleicht nicht mit den weißen Ameisen.
26:03
Wisst ihr, was weiße Ameisen sind?
26:05
Das ist Kreuzwortretzelwissen tatsächlich.
26:07
Das sind Termiten.
26:09
Und die will man nicht in seinem Kloster haben.
26:12
Die will man glaube ich nirgends haben.
26:14
In so einer kleinen Blechbox oder wie heißt das, wo man Ameisen einsperrt?
26:18
Im Fomikarium.
26:21
Da will man die glaube ich schon, da ist das vielleicht ganz nett.
26:24
Das ist ganz schönes Klugscheißerwissen.
26:26
Wenn man so Termiten mit Zahnstoch entfüttert, das stelle ich mir ganz anschaubar vor.
26:30
Und natürlich wie im Katunemann, eeeeh, und dann ist es sofort weg.
26:33
Genau.
26:34
Deshalb klagen 1713 in einem besonders schönen Prozess die Mönche eines Franziskanerklosters in Brasilien
26:40
einen Stamm riesige weiße Ameisen wegen ihrer Ansicht nach ungerechtfertigter territorialer Ansprüche an.
26:47
Ungerechtfertigt finde ich in dem Zusammenhang ein wahnsinnig schönes Wort.
26:50
Der Anwalt der Ameisen stellt in einer flammenden Verteidigung klar,
26:53
dass die Insekten eigentlich schon viel länger auf dem Gelände leben als die Mönche.
26:57
Tut mir leid, nur Egel, keine Ameisen, nur Egel.
27:01
Steht da auf meiner Visitenkarte.
27:02
Da, die Karte.
27:04
Und außerdem argumentiert er, dass die Ameisen auch viel fleißiger sind als die Mönche.
27:09
Der Urteilsspruch wird direkt am Termitenhügel verlesen.
27:13
Die Tiere werden verurteilt auf ein von den Franziskanern bereitgestelltes Ersatzgrundstück umzuziehen.
27:19
Den Aufzeichnungen eines Mönchs zufolge verlassen die Termiten unmittelbar nach der Urteilsverkündung ihren Hügel und ziehen friedlich von Dannen.
27:26
Ist klar, ne?
27:27
So, weil du ja vorher nach Aufzeichnungen gefragt hast, so, das kommt dann dabei raus.
27:33
Ebenfalls höchst spektakulär ist die Geschichte von Jenny und Chuck.
27:38
Das geht doch schön, oder?
27:39
Das ist von superfränkische Namen.
27:42
Jenny und Chuck.
27:44
Ich befürchte, wir sind wieder in Frankreich.
27:47
Im Jahr 1750 steht der Franzose Chuck Ferrand vor Gericht.
27:51
Und wie wir ja bereits wissen, wird bei Sodomie auch immer das Opfer mit angeklagt.
27:55
Also muss auch die Esel damit Jenny vor den Richter.
28:00
Während der Verhandlung in der französischen Stadt Vontf, sorry, ich tue mich echt schwer mit französischen Namen.
28:05
Ich glaube, es heißt Vontf.
28:09
Also während der Verhandlung sieht es nicht gut aus für Chuck und seine geliebte Jenny.
28:12
Beide sollen für ihr Vergehen gehängt werden.
28:14
Dann aber tritt plötzlich der örtliche Pfarrer hervor und beschwört, dass Jenny ein tugendhaftes Geschöpf sei, das sicherlich niemals ihr Einverständnis zu der Tat gegeben hatte.
28:24
Woher wissen Sie das genau?
28:32
Ich muss weg.
28:34
Auch andere im Saal schließen sich der Zeugenaussage an.
28:40
Ach Gott, der Feine ist es. Nein, nein, nein. Die hätte sowas ja nie gemacht.
28:48
Der Richter lässt sich überzeugen. Jenny wird freigesprochen, Chuck hingegen nicht.
28:54
Für ihn findet sich kein Fürsprecher im Saal.
28:57
Es war eine traurige Zeit, dieses Mittelalter.
29:01
Langsam neigt sich das 18. Jahrhundert im Ende entgegen und damit auch die Zeit, in der Tiere nach demselben Recht verhandelt werden wie Menschen.
29:09
Den Amerikanern hat das aber niemand gesagt.
29:14
Außerdem fehlt den Amerikanern ja auch tatsächlich immer so dieser Erfahrungsschatz, den wir über die Jahrhunderte, Mittelalter und so.
29:20
Das fehlt ja in der amerikanischen Geschichte.
29:22
Wie geil diese Aussage gerade ist.
29:24
Ja, wir sollten das nicht tun. Ja, okay.
29:27
Lasst uns keine Schweine mehr aufhängen. Ja, okay.
29:30
Und währenddessen in Amerika, lasst uns Schweine aufhängen.
29:33
Und irgendwann fährt mal jemand von Europa rüber mit dem Schiff und stellt dann fest, hey, die hängen an den Schuhen.
29:39
Oh, den hat, oh, den hat, hm, die Memo, hm, die kam nicht, ai.
29:46
Wir müssen echt mal gucken, dass wir die wieder auf den Verteiler nehmen, ai.
29:49
Das ist jetzt so peinlich, oh Gott, oh Gott, oh Gott.
29:53
Ich gehe meinem Kopf gerade vor allen Dingen durch, in welcher Zeit wir gerade sind und was da im Wilden Westen so passiert ist.
29:58
Und dann ist mir eingefallen, dass die Bieser uns ja fast ausgerollt wurden zu der Zeit.
30:02
Insofern habe ich ein bisschen Angst.
30:04
Ihr könnt froh sein, dass es zum Beispiel noch Affen gibt.
30:07
Im Jahr 1877 wird in New York der Fall des Affen Jimmy verhandelt.
30:12
Er hatte einer Frau den Finger abgebissen, weil sie ihm Süßigkeiten gegeben und dann so getan hat, als würde sie es ihm wieder wegnehmen wollen.
30:19
Völlig gerechtfertigt. Jimmy wird freigesprochen.
30:22
Richtig. Ach.
30:24
Er zieht vor Freude seinen Samthut, springt auf den Tisch des Richters und versucht, diesem die Hand zu schütteln.
30:29
Moment, er hat einen Hut, er hat einen Samthut.
30:31
Im Gerichtssaal.
30:33
Muss er gut gekleidet sein vor Gericht.
30:35
Es ist ein ordentliches Gericht. Ein ordentliches Gericht.
30:37
In den Polizeiakten zu dem Fall steht vermerkt Name, Jimmy Dillio, Beruf, Affe, Urteil, Freispruch.
30:43
Tut mir leid, nur Ige. Ich bin nicht Affe, ich bin nur Ige.
30:49
Ich bin Anwalt.
30:51
Auch 1924 steht ein Affe vor einem Gericht, dieses Mal in Illinois.
30:55
Er hat dagegen das öffentliche Rauchverbot verstoßen.
30:58
Er wird zu einer Zahlung von 25 US-Dollar und der Zahlung der Gerichtskosten verdonnert.
31:07
Das sind Strafen.
31:11
Wahrscheinlich geht er raus, doch diese bekömmlich köstlichen Camelight, die waren es einfach wert.
31:19
Ich sehe schon, die Stimmung ist viel zu gut.
31:26
Bei den nächsten beiden Fällen habe ich echt überlegt.
31:30
Das war tatsächlich der Grund, warum ich mir nicht sicher war, ob ich euch das alles tun würde.
31:34
Das sollten wir zumindest so tun, als wären wir entsetzt.
31:36
Bis hierhin war alles harmlos.
31:38
Ich habe noch zwei Fälle, ich fange mal mit dem späteren an, weil da gab es zumindest so etwas Ähnliches wie ein Gerichtsverfahren.
31:45
Gestern?
31:47
Am 11. September 1916 macht in Kingsport Tennessee ein Wanderzirkus halt.
31:53
Mit seinen 10 Wagen und 5 Elefanten gehört der Zirkus zu den Mittelgroßen des Landes.
31:57
Die Sensation des Zirkus ist die 5 Tonnen schwere asiatische Elefantenkuh Big Mary.
32:03
Mary ist ein extrem friedliebendes Tier, aber immer dann von Unruhe geplagt, wenn ihre täglichen Rituale anders laufen als gewohnt.
32:12
An diesem Tag führt sie nicht ihr üblicher Pfleger zur Tränke, sondern der Aushilfsjunge Red Eldridge.
32:18
Er ist eigentlich Hotelboy am Ort und will sich beim Zirkus ein paar Dollar dazu verdienen.
32:23
Was jetzt passiert, da weichen die Quellen so ein bisschen voneinander ab.
32:27
Die einen sagen, dass Red auf dem Weg zur Tränke strauchelt und die ohnehin schon nervöse Mary ihm mehr oder weniger versehentlich den Kopf eintritt.
32:35
Andere Quellen berichten von einer großen Parade, bei der der in Elefantenfragen komplett unbedarft den Neupfleger auf Marys Rücken reitet.
32:44
Als Mary eine Wassermelonen-Schale im Weg erspäht, bricht sie aus der Formation aus.
32:49
Red versucht die Parade zu retten, indem er der Elefantendame mit einem Haken auf den Kopf schlägt.
32:54
Moment, die beiden Aussagen gab es konkurrieren.
32:57
Ja, das haben wir auch gerade gedacht.
32:59
Ja, zwei verschiedene Leute wurden befragt.
33:03
Wie, wie, wie können zwei Leute so unterschiedliche Dinge aussagen?
33:12
Für die einen ist einfach die ganze Stadt auf den Beinen.
33:14
Es gibt eine Parade, es gibt Musik, Konfetti, die Leute sind unterwegs, große Action.
33:19
Und beim anderen, ja so ein bisschen Alltag im Zirkus, vielleicht noch vor der großen Show, damit vorbereitet.
33:24
Wie kann man das irgendwie verwecken?
33:27
Du weißt doch, dass Leute, wenn man sie fragt nach einem Verkehrsunfall, dass die sich manchmal gar nicht mehr an die Farbe des Autos erinnern.
33:32
Ja, das ist ja nicht bloß die Farbe, es ist ja auch noch, es ist eine unterschiedliche Stadt, es ist ein unterschiedliches Auto.
33:36
Und beim einen hatte das Auto eine Konfetti-Kanone, es waren zwölf Clowns drin gesessen, die alle nacheinander auf den Kofferraum rauskamen.
33:43
Und beim anderen war es ein Eiscreme-Wagen, der total schäbig aussah.
33:47
Genau, das mit dem Haken, um da nochmal darauf zurückzukommen, war eine schlechte Idee.
33:52
Berichten zufolge, die Zeugenaussage ist noch nicht zu Ende, berichten zufolge packt Mary den Möchtegernpfleger mit dem Rüssel,
33:58
zerrt ihn von ihrem Rücken und rammt ihn in eine Pferdetränke.
34:01
Anschließend zerdrückt sie in aller See in Ruhe seinen Schädel wie eine, Zitat, reife Melone.
34:07
Ich glaube einfach, dass das die schönere Version der Geschichte ist, die sich einfach in der Zeitung besser gemacht hat.
34:13
Das ist so eine typische Geschichte, die bei immer mehr Bieren entstanden ist.
34:16
Da kam immer noch was dazu.
34:18
Hey, weißt du noch, damals der Elefant, ja genau, weißt du noch.
34:21
Ja, so entstehen die Geschichten in der Kneipe.
34:24
Einer der Passanten versucht daraufhin, Big Mary zu erschießen, doch auch mehrere Treffer bringen den Dickhäuter nicht zu Fall.
34:31
Schließlich gelingt es den Zirkusleuten, Mary wieder einzufangen.
34:34
Und jetzt wird es auch ein bisschen absurd, also das spricht vielleicht auch so ein bisschen gegen diese Version der Geschichte.
34:40
Kurz darauf steht die Elefantenkuh bereits wieder in der Manege, doch das Publikum...
34:44
Moment, mit irgendwie fünf Kugeln im Bauch...
34:46
Ja, das ist ja ein Elefant, kommen da so ein paar Kugeln.
34:49
Mit Dickhäuter.
34:51
Das Publikum ist nicht amüsiert. Die Menge ruft lauthals, tötet den Elefanten im Zirkus und auch auf den Straßen.
34:59
Und während des Zirkus...
35:01
Es wird ein Schnellgericht einberufen mit dem Sheriff.
35:12
In der Manege! Wir sehen heute das Schnellgericht!
35:17
Und der Sheriff so mit einer roten Nase.
35:20
Und man trifft sich noch am selben Abend mit dem Zirkusdirektor, um die Details der Hinrichtung Marys zu diskutieren.
35:27
Ein Schuss durch den Gehörgang, eine Kugel aus der Bürgerkriegskanone, den Elefanten zwischen zwei Züge zerschmettern oder durch zwei Züge zerteilen lassen...
35:35
Au, ich bin verletzt.
35:37
Vor allem die Vorstellung, komm lass uns zwei Züge aufeinander rasen, voller Leute, die dieses Spektakel sein wollen.
35:43
Da kann es noch Eintritt verlangen.
35:47
Mega gute Idee.
35:49
Mega Idee auf jeden Fall.
35:52
Das Ganze auf jeden Fall wieder zum Spektakel machen.
35:54
Einmal Zirkus, immer Zirkus.
35:56
Das muss durchgehalten werden bis zum bitteren Ende.
35:59
Auch Elektrizität ist im Gespräch.
36:01
Schließlich war nur wenige Jahre zuvor Topsy, und das ist der zweite Elefantenfall, den ich gerade schon angedeutet habe.
36:07
Er war durch Elektrizität hingerichtet worden.
36:09
War das diese Nummer mit Gleichstrom ist böse?
36:13
Ja, das war glaube ich genau in der Zeit tatsächlich.
36:15
Der einzige Grund, warum ich das unbedingt erzählen wollte, ist, dass Topsy durch eine Eignis von Thomas Alva Addisons Unternehmen,
36:22
der New York Addison Company, entwickelte Apparatur ums Leben kam.
36:27
Das war tatsächlich genau in der Zeit, wo es den großen Formatkrieg quasi gab in New York, was die Stromversorgung angeht.
36:35
Ach ja, und ich wollte es erzählen, weil es einen Dokumentarfilm darüber gibt und ein YouTube-Video.
36:40
Also wenn ihr mal was richtig, richtig Fieses sehen wollt...
36:43
Hier, Stromhinrichtung von Elefant Topsy.
36:46
Die Hinrichtung von Elefant Topsy.
36:48
Ich glaube, der Dokumentarfilm heißt, glaube ich, Electrolooting an Elefant oder How to Electroloot an Elefant.
36:54
Das Schlimme ist, ich habe sogar schon mal jemanden durch Elektroschock sterben sehen.
36:57
Was? Warum?
36:59
Indien, Stromleitung, hin lang.
37:01
Ah, das auf dem Zug, dieses Video, das war vor ein paar Jahren im Netz rumging tatsächlich.
37:06
Ich kann mir das alles anhören, dass irgendwelche Leute sterben.
37:09
Grausam! Aber das kann ich mir nicht geben, das ist zu hart.
37:13
Wenn es um eine Inder geht, dann...
37:15
Ich liebe Indien so sehr.
37:17
Ich habe heute Funny Story zum ersten Mal in meinem Leben, die indische Nationalhymne gehört.
37:21
Sing Four?
37:23
Ja, da wieder noch etwas schwer.
37:25
Also, im Fall Mary entscheidet man sich schließlich für Erhängen.
37:30
Wow!
37:33
Wie erhängt man ein 5-Tonnen-Ungetümpel?
37:36
Richtig.
37:38
Tut mir leid, solche Apparaturen habe ich nicht. Nur Egel, tut mir leid, nur Egel.
37:44
Also ich würde mal sagen, man braucht zumindest eine ordentliche Kette und irgendwie einen guten Kran.
37:49
Dass eine Kette mit 2 cm Stärke unterdimensioniert ist, lernen die Elefantenhänger schnell,
37:54
als Mary sich nach einem Sturz die Hüfte bricht.
37:57
Grüß Gott, ich bin der Robert, ich bin Elefantenhänger.
38:01
Mein Beruf ist überall viel gesucht, ich komme gut herum, aber das Schöne ist,
38:06
jeden Abend kommt man nach Hause und man weiß, man hat das Richtige getan.
38:12
Meine Hobbys sind außen im Golf, ich sammle Briefmarken und gehe gern ins Fitnessstudio.
38:19
Und das mit der Kette, das tut mir echt leid.
38:24
Der zweite Versuch mit einer verstärkten Kette gelingt schlussendlich.
38:28
Mary erstickt nach einem 10-minütigen Todeskampf.
38:31
Da hat es mit dem Genickbruch, den wir vorhin hatten, nicht funktioniert.
38:34
Wo genau haben die die runtergehängt lassen?
38:37
Von einem Eisenbahnkran.
38:39
Es gibt auch ein Bild davon, aber das erspare ich euch mal an der Stelle.
38:42
Nein, das will ich wirklich nicht sehen.
38:45
Okay, es muss ja nicht immer gleich die Todesstrafe sein.
38:48
In Pike County in Pennsylvania wird 1924 der Laborator Pep zu einer Gefängnisstrafe verurteilt.
38:55
Pep ist ein sehr sehr umgänglicher und friedliebender Hund,
38:58
dem an einem heißen Sommertag nur mal kurz die Sicherung durchbrennen.
39:02
Es fängt immer so an, jedes Mal.
39:04
Es ist eigentlich eine ganz friedliebende Entfandnahme, bis sie dann jemanden in den Kopf eingetreten ist.
39:09
Genau, so ist es doch auch, oder? So sieht doch der Linzer aus.
39:12
Das Schöne ist, dass man doch eigentlich auch mit lauter Menschen umgeben ist,
39:15
wo man denkt, ach, das sind doch alles friedliebende, nette Leute.
39:17
Das hätte ich nie von dem gedacht.
39:19
Genau, aber ist dann die Frage, sollte man sich lieber mit Leuten umgeben,
39:23
wo man sagt, dem brennt ab und zu die Sicherung durch,
39:25
der schmeißt den Computer zum Fenster raus, weil der hat einen Ventil.
39:28
Oder lieber mit den Leuten, die total friedlich sind,
39:30
aber vielleicht eines Tages...
39:32
Ich glaube tatsächlich, da ist was dran.
39:34
Dass du auch das mit deinen Freunden und Feinden, die du dir nah und fern und so hältst,
39:37
da gibt es auch, wie war das?
39:39
Gibt es auch so einen Spruch?
39:41
Irgendwie haltet dir deine Freundin nah und deine Feinde noch näher?
39:43
Irgendwie so, genau.
39:45
Das mit den Sicherungen ging natürlich sehr zum Unglück der Nachbarskatze aus.
39:50
Und Unglück über Unglück, der Nachbar ist auch noch der Gouverneur von Pennsylvania.
39:55
Der Gouverneur strebt ein schnelles Gerichtsverfahren und ein ebenso schnelles Urteil an.
39:59
Pep, der keinen Anwalt, keine Entlastungszeugen und keinerlei Anzeichen von Reue zu seiner Verteidigung vorbringen kann,
40:05
muss angesichts einer erdrückenden Beweislast ins Gefängnis.
40:08
Sie hat doch sieben Lebens! Sie hat doch sieben Lebens!
40:12
Sie hat nur eins! Sie hat nur eines!
40:14
Das Urteil lebenslänglich.
40:17
Pep bekommt eine Nummer wie jeder andere Gefangene im Eastern State Penitentiary auch.
40:22
Boah, hatte ich Angst vor diesem Wort.
40:24
Die Frage ist eigentlich so, wenn es nicht lebenslänglich wäre, sondern so fünf Jahre.
40:29
Hundejahre oder Menschenjahre?
40:31
Das wollten wir wahrscheinlich umgehen.
40:33
Wir kommen in den Standardknast.
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Genau. Der Gefangene C2559 genießt einige Vorteile.
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Er wird schnell zum Liebling der anderen Insassen und auch der Wärter.
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Und so darf er jeden Morgen mit zum Arbeitseinsatz zum Bau eines neuen Gefängnisses.
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Er ist auch einer der ersten Bewohner der neuen Einrichtung.
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Und Pep stirbt nach sechs Jahren im Knast an einem natürlichen Tod.
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Allem Anschein nach halbwegs glücklich.
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Ich stimme mir gerade vor, dass er so einen eigenen Trakt gekriegt hat, was einfach nur so eine Hundehütte war.
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Und dann müssen irgendwie vier Jahre lang Leute so zwangsabweitsmäßig dran hängen.
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Es ist doch no district! Ja, aber sollten wir nicht mal mehr Plätze kriegen?
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Die Betten sind schon wieder bedeckt. Nein, das wird ein Hundeknast!
41:14
Der eigentliche Witz an der Geschichte? Pep ist komplett unschuldig.
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Der Hund, der als Pennsylvania Cat-Murderer bekannt geworden ist, hat überhaupt keine Katze auf dem Gewissen.
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Und er gehört auch gar nicht dem Nachbarn, sondern dem Gouverneur selbst.
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What? Ja, das ist ein total Galileo-Mystery, sag ich euch.
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Ja, aber mal ehrlich, was ist denn das für ein Arsch? Du kriegst mit, oh, mein Hund hat die Katze gerissen.
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Ja, jetzt zeige ich es mal dem Nachbarn. Oder ist es so ein, der Nachbar hat mir keine Ahnung, hat von meiner Frau den Kuchen vom Fenster, sie ist mal runter geklaut.
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Und dem zeige ich es jetzt mal so richtig. Aber, jetzt stopp, Moment, ich dachte, also die Katze gehört dem Gouverneur und der Hund auch dem Gouverneur.
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Es gab keine tote Katze. Moment, hatte der Hund was mit seiner Frau?
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Der Gouverneur hatte den Hund einige Jahre zuvor geschenkt bekommen, war aber mit Pep's Vorliebe auf dem Gartensofa herum zu kauen, alles andere als zufrieden.
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Also entschloss er sich, nicht etwa dem Hund einen Mord in die Schuhe zu schieben, sondern ihn als Therapiehund an das Gefängnis abzugeben.
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Der Mord, die Verhandlung, die Gefängnisstrafe, das alles hat ein übereifriger Reporter erfunden und von da an hat sich die Geschichte wie von selbst verbreitet.
42:23
Geiler Typ! Geiler Typ!
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Bildzeitung gibt es auch in Amerika. Das wären News the Lux, aber geiler Typ.
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Wenn ich diese komplette Vorgeschichte mit sämtlichen französischen Schweinen nicht gehört hätte, wäre ich gesagt, dass das eine komische Geschichte ist.
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Ich bin schon dazu fordert, dass ihr mir alles glaubt. Schauen wir mal, ob wir noch etwas anderes finden, was ihr mir glauben könnt.
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Denn langsam sind wir schon an der Jahrtausendwende und es werden dementsprechend weniger skurrile Fälle.
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Warum nicht mehr?
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Es gibt noch ein, zwei Highlights über die letzten 50 Jahre.
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In Tripolis werden zum Beispiel 1967 75 Brieftauben verurteilt, weil sie Falschgeld geschmuggelt hatten.
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Vorsicht!
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Und sie werden aufgrund akuter Wiederholungsgefahr zum Tode verurteilt.
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In Libyen, in Libyen, es heißt ja eigentlich Libyen, müsste man es eigentlich aussprechen,
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in Libyen wird in den 1970ern ein Hund zu einer Woche bei Wasser und Brot verdonnert. Er sitzt seine Strafe anstandslos ab.
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Sitz!
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Und warum?
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Das kann ich dir leider nicht sagen.
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Das ist classified.
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In 50 Jahren kannst du die Akne einsehen.
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Es ist einfach zu spektakulär nach dem ganzen jetzt hier.
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1991 würde in New Jersey der Hund Tarro nach einem fast vier Jahre andauernden Prozess und unter ganz, ganz strengen Auflagen letztendlich freigelassen.
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Die haben 1991?
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Vier Jahre lang den Fall des Hundes Tarro veran.
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Also ging er 1991 zu Ende oder los, der Fall?
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Er ging 1991 los.
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Im 20. Jahrhundert haben die in den USA noch gegen Tiere Prozesse geführt.
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Genau. Und er wurde letztendlich dann, also die Auflagen haben unter anderem enthalten, dass er zu einem neuen Besitzer kommt und dass ich glaube sogar das Land verlassen musste.
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Also er kam dann irgendwie zu einer Familie nach Kanada.
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Nur unter diesen Auflagen wurde er, also ich weiß nicht ob man dann von Freispruch reden kann, aber...
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Vor allem überleg mal der Hund wäre schon irgendwie, ich sag mal, sagen wir zehn Jahre alt gewesen.
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Der hätte einfach den Prozess vielleicht nicht mehr überlebt vom Alter her.
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Und da brauch ich euch jetzt auch nicht mehr erzählen, was der Hund getan hat, weil da haben wir heute schon auch mindestens das Schlimmste gehört.
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So, was haben wir heute gelernt?
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Es gibt doch noch Dinge, die mich schocken.
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Das ja.
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Es ist immer lustig, wenn Menschen eine drauf kriegen, wenn es lang her ist und es nicht andere Menschen waren.
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Aber wenn hier irgendwas angetan wird, dann ist Schluss mit lustig.
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Ist wie in dem Film, der Hund muss überleben.
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Der ist doch in jedem Actionfilm.
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Ach so, ja, ja, stimmt.
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Der Tunnel explodiert, 20.000 Menschen sterben und ein Hund zieht, du siehst doch ein Laborator im Auto sitzen, du weißt, der muss überleben.
45:12
Ich finde es tatsächlich auch das Bemerkenswerte jetzt so an dem Ganzen.
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Ich habe mir nicht Sorgen gemacht, ob ihr das mit den Kindern und den Schweinen irgendwie doof findet, sondern ich habe mir echt den Kopf zerbrochen, ob das mit dem Elefanten nicht so hart ist.
45:23
Das tut mir echt leid.
45:24
Also das ist tatsächlich wirklich das, das ist vielleicht echt schlimm, aber das ist was ich am schlimmsten finde davon gerade.
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Genau und ich habe halt auch noch die Bilder und das Video von dem Elefanten gesehen.
45:34
Ich habe Dinge gesehen, die kein Mensch sehen sollte.
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Genau.
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Also seit 1990 ist in Deutschland die Rechtslage soweit klar.
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Der Paragraph 90a des BGB sagt Tiere sind keine Sachen.
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Sie werden durch besondere Gesetze geschützt.
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Auf sie sind die für Sachen geltenden Vorschriften entsprechend anzuwenden, soweit nicht etwas anderes bestimmt ist.
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Also es heißt Tiere sind keine Sachen, aber sie sind wie Sachen zu behandeln.
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Ja.
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Das ist auch der Grund, warum seitdem immer weniger Vierbeine auf der Anklagebank auftauchen.
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Können aber nach wie vor.
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Naja, sehr theoretisch.
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Das sind ja Dinge.
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Das ist auch wenn ich sagen, wenn du einen Hund hast und der rennt Leuten vors Auto.
46:14
Kommst du vor Gericht.
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Denn tendenziell musst du zahlen.
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Aber der Kollege Krauss sagte, dass immer weniger Tiere.
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Tendenziell.
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Dieser Paragraph lässt offen, dass natürlich ein anderes Gesetz, Tieren eine gewisse Schuldfähigkeit irgendwie zuschlägt oder so.
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Klar.
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Aber auch wenn du weißt, wenn es irgendwie um Hunde geht, die Kinder am Spielplatz anfallen,
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dann steht eigentlich auch der Unterhalter vor Gericht, obwohl das Tier dann am Ende bestraft wird.
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Wir haben so viel über Soromi gehört und er sagt zu mir, du weißt ja selber, jetzt habe ich echt Angst.
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Jetzt hatte ich ein bisschen Angst, wie der Satz endet.
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Du bist ein Profi.
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Die Schweiz hat im Gegensatz zu Deutschland auch das Zivilrecht auf Tiere angepasst.
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Und sie ist auch das einzige Land der Welt, das amtliche Tierrechtsexperten beschäftigt.
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Enten, Gänse, Hühner.
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Und andere Tiere.
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Experten wie Antoine F. Götzschel.
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Seine Klienten zählen beispielsweise Legehennen, Meerschweinchen, Kampfhunde und Riesenschlangen.
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Und er betreut davon bis zu 200 pro Jahr.
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Ich habe mich ja dagegen auf Igel spezialisiert.
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Das hat sich ausgezahlt.
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Igel.
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Oft geht es bei ihm in der Kanzlei um scharfe Hunde oder um Sorgerechtstreitigkeiten.
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Scharfe Hunde.
47:26
Scharfe Hunde.
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Jetzt darf es wieder los.
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Wobei er auch mal einen Chameleon als Klient hatte.
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Natürlich.
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Im Jahr 2010.
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Herr Angeklagter, schauen Sie mich an!
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Schauen Sie mich jetzt mal!
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Nein, schauen Sie nicht nach dem!
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Schauen Sie nicht auch noch zu sagen!
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Schauen Sie sich nicht selbst in die Augen!
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Hören Sie auf!
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Schauen Sie mich mal!
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Ruhe im Gerichtssaal!
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Im Jahr 2010 verliert er den sogenannten Hechtprozess gegen einen Angler.
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Dieser hatte, ganz angler eben, mit seinem Kampf gegen den 1,16 m Brocken in der Lokalpresse angegeben.
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Daraufhin klagt der Züricher Tierschutzverein, vertreten von Götzschel, auf Tierquälerei.
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Im Grunde ging es um die Frage, ob die Länge des Drills hätte verkürzt werden können, um dem Tier Leid zu ersparen.
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Der Drill ist, wenn du es quasi am Haken hast und dann rausziehen müsstest.
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Einziehst.
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Du musst ja immer so ein bisschen ziehen und dann musst du, wenn das Tier müde wird, dann ein bisschen Leine einholen.
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Und das ist der Drill.
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Und sie werfen ihm vor, dass er das Genossen hat, quasi das Tier.
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Kürzlich rausgezögert.
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Sowas wird tatsächlich aktuell noch in der Schweiz verhandelt.
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Überhaupt ist Götzschel so ein ziemlich aktiver Typ.
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Und seine Wikipedia-Seite liest sich so, als würde er quasi immer Leingang mit aller Tierquälerei auf der Welt irgendwie Schluss machen wollen.
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Ich hoffe, er hat eine Sendung im Schweizer Fernsehen.
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So ein Wir für ihr tierisches Recht.
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So, ich habe jetzt noch eine Ratnodistant.
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Dann bin ich tatsächlich sowas von am Ende.
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Was wir bisher komplett ausgelassen haben, sind Tiere, die jetzt Zeugen vor Gericht stehen.
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Aber da gibt es eigentlich nur einen relevanten Fall.
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Und da würde ich euch hier zum Abschied quasi einen Link mit auf den Weg geben.
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Es gibt einen Papagei, der seitdem sein Herrchen erschossen wurde, immer mal wieder
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Don't fucking shoot!
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vor sich hin klappern.
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Und ich habe keine Ahnung, was das dem Zeugenstand bringen soll.
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Aber es gibt ein Video davon und der war als Zeuge vor Gericht.
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Ich weiß wirklich nicht, was ich dazu sagen soll.
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Wie fehlen die Worte?
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Ich finde es richtig gut.
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Das mit dem Papagei ist echt mein Favorit, glaube ich.
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Ab sofort nur noch Tiere, die nicht sprechen können.
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Zum Beispiel Egel.
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Ich würde jetzt mal am Ende noch sagen, wenn jemand da draußen jetzt sich das tatsächlich angetan hat bisher
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und denkt, wir sollten weitermachen, dann schickt doch einfach Themenvorschläge durch.
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Wir haben, glaube ich, eine E-Mail-Adresse, die packe ich in den Blog.
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Irgendwie sowas wie, ich hab da was, etwas ach oder so.
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Ich muss nachgucken.
50:05
Ich schreibe es in den Blog.
50:06
Genau.
50:07
Außerdem bewertet uns natürlich bei iTunes, folgt uns bei den üblichen sozialen Medien,
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die wir bis dahin natürlich am Start haben.
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Und zeigt diese Folge nicht meiner Mutter.
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Genau.
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Wir haben ja gelernt, man muss am Ende alles wieder verbrennen.
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Also, ich hol schon mal das Benzin für den Laptop, für die Mikrofone, die Kopfhörer, den Verstärker,
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die Reuspertasten und so weiter und so fort.
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In diesem Sinne, schlaf gut.
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Und immer dran denken, nur Egel.
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Nichts als Egel.
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Egel.
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Na, ****, du Sch***!
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Na, ****, du Sch***!
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Na, ****, du Sch***!
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Das war's für heute.
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Bis zum nächsten Mal.
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Vielen Dank.